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Das muß stimmen! Immer wieder erschüttern Schlagzeilen über Pflegeskandale, Vernachlässigung oder Gewalttaten die Öffentlichkeit und sorgen für eine sehr negative Einstellung gegenüber Alten- und Pflegeheimen. Die beschuldigten Einrichtungen und die Altenpflegerinnen halte dagegen, daß wegen der schlechten Finanzierung zu wenig gute Pflegekräfte eingesetzt würden. Außerdem kämen zur Zeit fast nur sehr alte und schwerpflegebedürftige neue Bewohner in die Heime. Die Pflege alter Menschen stellt besonders hohe Anforderungen an die Mitarbeiter der Heime. Die Bewohner sind heute meist über 80 Jahre alt, wenn sie einen Pflegeplatz in einem Heim beziehen. In aller Regel leiden sie an einer ganzen Reihe verschiedener Krankheiten. Neben Erkrankungen von Herz, Kreislauf und inneren Organen sind besonders oft Gelenke und vor allem das Gehirn betroffen. Der Anteil von Bewohnern, die an Altersverwirrtheit, Ärzte sprechen von Demenz, leiden, liegt in Pflegestationen häufig bei weit über 80 Prozent. Die Alzheimer'sche Krankheit ist die bekannteste Form der Demenz. Doch auch für Menschen, deren Geist nicht verwirrt ist, reagieren auf den Umzug von der gewohnten Umgebung in der eigenen Wohnung in eine Pflegestation oft sehr heftig. Sie fühlen sich abgeschoben und verweigern jede Mitarbeit: Sie essen nicht, lassen sich auch nicht füttern, lehnen alle angebotenen Getränke ab, verstummen und ziehen sich vollkommen zurück. Schließlich dämmern sie nur noch vor sich hin. Vor allem demente Bewohner bereiten den Pflegenden in den Heimen große Probleme. "Versuchen Sie doch einmal, einem dementen Menschen ein Glas Tee oder Limonade einzuflößen. Da können Sie eine halbe Stunde mit Engelszungen reden und alle Tricks versuchen, er wird den Mund nicht öffnen oder alles sofort wieder ausspucken, was Sie ihm mühsam eingeflößt haben", sagt Gerd Mordstein, verantwortlich für eine Reihe großer Altenheime in Augsburg. Müssen Heimbewohner dann ins Krankenhaus eingewiesen werden, weil sich ihr Zustand drastisch verschlechtert hat, dann diagnostizieren Ärzte dort häufig Symptome von Austrocknung und schon hagelt es Vorwürfe gegen das Pflegeheim, aus dem der Patient kam. Die scheinbar einfachste Lösung, eine Infusion anzulegen oder die nötige Flüssigkeit über eine Magensonde zu verabreichen, führt auch nicht zum Erfolg. Die Patienten reißen die Nadel oder den Schlauch ab, es sei denn, man bindet ihnen die Arme am Bett fest. Eine solche Fixierung muß allerdings von einem Vormundschaftsrichter für jeden Einzelfall eigens angeordnet werden, weil es sich um eine sogenannte freiheitsentziehende Maßnahme handelt, die in die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen eingreift. Während es oft unmöglich ist, die Ernährung der betroffenen Bewohner sicherzustellen, gibt es natürlich auch Verfehlungen, die nicht zu entschuldigen sind. Wenn einer genervten Altenpflegerin die Hand ausrutscht, ein Bewohner, der ins Bett gemacht hat, stundenlang in seinen Exkrementen liegenbleibt, wenn die Körperpflege vernachlässigt wird, dann liegen echte Versäumnisse des Pflegeheimes vor und Vorwürfe sind berechtigt. Die Entschuldigung, man habe zu wenig Personal kann nicht gelten. Zwar lassen die Pflegesätze heute keinen Raum für Luxus, doch eine ordentliche Grundpflege ist gewährleistet. Dazu gehören z. B. das regelmäßige Waschen und Baden bzw. Duschen, die Pflege von Haut, Haaren und Zähnen, das An- und Auskleiden, das Heraussetzen aus dem Bett, das regelmäßige Bettenmachen sowie das Reichen von Mahlzeiten und Füttern bei Bedarf. Autor: Peter K. Köhler
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