Ruth Brückner


Allerheiligen

Der Tag geht zu Ende, es ist fast dunkel.
Nur noch wenige, Menschen huschen durch die Dämmerung auf den Wegen.

Die Farben der Blumen und Gestecke auf den Gräbem kann man kaum noch erkennen.
Dafür kommen jetzt die vielen Grablichter und Kerzen zum Leuchten
und geben eine andere, aber wundersame Stimmung.

In unserem Grabfeld ist es still. Keine Menschenseele hält sich mehr auf.
Ich zünde 9 Lichter an.
Soviel wie Du an Jahren lebtest und lege sie im Kreis
um die letzten Rosen aus dem Garten.
Die stehen nun im hellen Licht.
Der frühe Frost hatte sie verschont, um jetzt,
so spät im Jahr mit ihrer Schönheit zu dienen.

Ich habe die Mundharmonika mitgenommen, die ich Deinetwegen gekauft habe,
um auf der Berghütte Kinder- und Volkslieder zu spielen.
Und nun alleine mit Dir spiele ich unser gemeinsames Lieblingslied
"Weißt Du wieviel Sternlein stehen?" ganz, ganz leise.

Mein Gott, wie oft habe ich dieses am Ende des Tages vor dem Einschlafen gespielt. Aber da war was! Ich habe etwas gehört!
Spielte die Ietzten Töne wie einen ausklingenden Hauch.

Da erst vernahm ich die Begleitung, die Worte "und hat Dich lieb".
Ich war also doch nicht alleine.
Ich sah eine Gestalt in der Nähe an einen Baum gelehnt.
Wir haben uns nicht zu erkennen gegeben, aber wir waren uns nah.

© by Ruth Brückner, Fürstenfeldbruck

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