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See in Not - eine Bestandsaufnahme
Mindestens eine Milliarde Menschen ist tagtäglich auf Fisch angewiesen, um sich ausreichend mit Proteinen zu versorgen. Das berichten die Vereinten Nationen und legen damit einen schonenden, zumindest aber bewussten Umgang mit den Rohstoffen des Meeres nahe. Davon kann zurzeit allerdings keine Rede sein: Weltweit beuten die Fangflotten rücksichtslos alles aus, was ihnen ins Netz geht. Keine Region bleibt verschont.

Erschreckender Bericht
Riesige Winden lassen stabile Netze in die Tiefsee herab und pflügen die nur äußerst langsam wachsende Flora und Fauna durcheinander. Wilde Thunfische werden gefangen und gemästet, damit sie den japanischen Konsumenten besser schmecken. Und ein Drittel aller Fänge geht als Beifang sterbend wieder über Bord, weil diese Tiere den Fischern gerade nicht in den Kram passen oder nicht angelandet werden dürfen. Zudem sehen etliche Staaten das Meer als riesige Müllkippe an, die allen Dreck unter einer wogenden Decke des Schweigens verbirgt. Kurzum: Es sieht schlecht aus für die Ozeane. Wer sich einen Überblick über das Desaster schaffen möchte, bekommt mit dem neuen Buch "See in Not" (marebuchverlag, Hamburg) von Hans-Peter Rodenberg einen gleichermaßen erschreckenden und umfassenden Bericht.

"Monsterkrabben" und hochgerüstete Fangflotten
Dänische Industriefischer zum Beispiel holen massenhaft Sandaale aus dem Meer, um Fischmehl für die Tiermast zu liefern. Dabei zerstören sie aber das Ökosystern und die Nahrungsgrundlage anderer Tiere. Internationale Fangflotten räumen die Bestände der Schwertfische leer. Im Polarmeer breiten sich fremde "Monsterkrabben" aus und fressen sich durch die wehrlose Fauna. Fischstäbchen kommen von hochgerüsteten Fabrikschiffen, die unablässig vor den Aleuten im Nordpazifik arbeiten. Weil die Flossen potent machen sollen, sterben vor Südafrika massenhaft die Haie. Scampi-Farmen vergiften große Areale der Entwicklungsländer. Delfine enden in den Netzen der Thunfischfänger. Die deprimierende Liste lässt sich fortsetzen.

Rodenberg ergänzt sein Buch um zahlreiche Exkurse und Stichwörter und zeigt außerdem die sozialen Folgen der Fischerei, die sich mit ihren zerstörerischen Fangmethoden selbst gefährdet. "Projekte zur Rettung der Ozeane stehen gerade erst am Anfang ihrer Entwicklung, sie geben Anlass zur Hoffnung, mehr nicht", schreibt Rodenberg schließlich in seinem reich illustrierten, Besorgnis erregenden aber erfreulich gut zu lesenden Band. Angesichts des aufgezeigten Irrsinns kommt man beim Lesen aus dem Kopfschütteln nicht mehr hinaus.

Hans-Peter Rodenberg

See in Not –
Die größte Nahrungsquelle des Planeten: eine Bestandsaufnahme


marebuchverlag, Hamburg, ISBN 3-936384-49-5


Hamburg (dpa/fwt) - Thilo Resenhoeft, 12/04



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